OS TRES LEÕEZINHOS
Era uma vez, numa determinada floresta, uma leoa-mãe havia dado à luz 3 leõezinhos bem bonitinhos: O Rax, o Rix e o Rex. Um dia o macaco, representante eleito dos animais súditos, malandro e puxa-saco, fez uma reunião com toda a bicharada da floresta e...
 
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Fab.1Die Amme und das Kind
Babrios: Fab.16 Der getäuschte Wolf


Dem Knäblein, weil es weinte, hatt die Bäuerin einst gedroht, wollt es nicht schweigen, dass der böse Wolf es dann verzehre. Vertrauensselig hört der Wolf dies Wort
und wartet gierig draußen vor dem Tor, der eitlen Wünsche voll. Das Kind ergibt die müden Glieder sanftem Schlaf, dem Räuber aber nimmt der Hunger alle Hoffnung.
Als ihn Frau Wölfin sah ins Reich der Wälder zurückkehren ohne Beute, rief sie spöttisch:
»Warum nur bringst du keinen Fang, wie man's gewohnt? Statt dessen sind die Backen schlaff und leer das Maul!«
»»Nein, wundere dich nicht«, entgegnet' er, »getäuscht durch böse List, lag elend ich vergebens auf der Lauer! Denn welche Beute, welche Hoffnung, sag mir, konnte ich erwarten, als mir des Weibes Worte nichts als bösen Streit einbrachten!«

Das soll auf sich beziehen – denn jeder ist damit gemeint,
der an des Weibes Zuverlässigkeit je hat geglaubt!

Fab.2
Die Schildkröte und der Adler
Babrios Fab.115 Die vermessene Schildkröte


Es sprach die Schildkröte zu den Vögeln, die da fliegen, einst wie folgt: Wenn einer von den Vögeln sie vom Boden heben wollte, so würde aus dem roten Meeressand sie Muscheln bringen, die ihre Perle, fest umhüllt, so wertvoll mache.
So sprach sie, weil sie selbst sich grollte, dass am ganzen Tag mit ihrem trägen Schritte sie nichts schaffte, nichts zu Ende brachte. Doch als mit ihren trügerischen Sprüchen einst den Adler sie für sich gewann, musst ihre ungetreue Zunge gleiche Treu erfahren. Als mit den schlimm erkauften Schwingen nämlich sie zum Himmel strebt', stürzt' sie ab, von des Adlers scharfer Kralle fest gepackt. Und während schon ihr Leben sie verhauchte, beklagte stöhnend in höchsten Lüften sie das Los, das ihrem Wunsch zuteil geworden.

Erwiesen war doch dieses: Wer die Ruhe hasst,
vermag das Große nicht zu fassen ohne tiefstes Leid.

So muss, wer groß sich tut, weil Ruhm ihn überhöhte,
auf Strafe rechnen, da sein Schicksal er verschmäht'.

Fab.3
Der Krebs und seine Mutter
Babrios Fab.109 Der Krebs und seine Mutter


Ein Krebs, der rückwärtskriechend seine Spuren zog, verletzt' den rauen Rücken sich im steinigen Wasser. Die Mutter, die ihm gut voranzukommen wünschte ermahnte ihn, so sagt man, wie es folgt:
»Lass dir, mein Sohn, die Rückwärtswege nicht gefallen, und lenke deinen Fuß nicht wieder auf die schiefe Bahn! Bemühe dich, die Schritte straff zu lenken,
und ungefährdet richt nach vorwärts deinen Gang!«
Darauf der Sohn: »Wenn du vorangehst, will ich folgen, um soviel sicherer, als das Rechte du mir zeigst.«

Fab.4
Der Windgott und der Sonnengott
Babrios. Fab.18 Der Wettsreit von Nordwind und Sonne

Der grauenvolle Unhold Boreas und Phoebus, sanfter Himmelsherrscher, sie führten vor dem großen Jupiter ein Streitgespräch, wer wohl zuerst ein angefangnes Werk vollende. Indes zog auf der Erde eilends den gewohnten Weg ein Wanderer.Es hieß, dass dieser sollt den Streit entscheiden, es sei der Sieger, der den Mantel ihm entreißt.

Vom Sturm der Winde hallte bald der Äther, ein frost'ger Regen strömt' in mächt'ger Flut hernieder. Doch jener doppelt seinen Mantel auf der Schulter,
wenn ihn des Sturmes Wüten drängt und stößt.
Die anfangs schwachen Strahlen aber hatte Phoebus wachsen lassen, auf dass ein Glanz von Feuerhitze sich erhob, bis dass die müden Glieder gerne ausstreckt unser Wanderer, den Mantel ablegt und erschöpft sich niedersetzt.

Da lehrt die Götter, die zugegen, Titan
*, unser Sieger,
dass niemand siegen kann, der es mit Drohn beginnt.
*Der Sonnengott stammte von den Titanen ab, dem vor
  den Olympiern herrschenden Göttergeschlecht.


Fab.5
Der Esel mit dem Löwenfell
Babrios Fab.139 Der Esel im Löwenfell


Ein jeder muss sich messen und sich freuen an der eignen Kraft und darf, was eines andern ist, für sich nicht nehmen. Sonst wirst verlacht du, wenn der Schein entlarvt
und du in deinen Schwächen bleibst zurück.

Per Zufall fand ein Esel eines Löwen Fell aus Afrika. Das Neuerworbene legte er sich selber um, die Glieder steckt' er in die Hülle, die für sie nicht passte, und presste seinen blöden Kopf ins ehrenvolle Kleid. Doch wie die Lust des Terrors seinen Sinn umfing und vorgestellter Kampfmut seine trägen Knie erfasste, zerstampfte er dem milden Weidevieh das Futter und scheuchte er die Kühe, die angstvoll, übers Feld.
Nachdem indes an seinem langen Ohr der Bauer ihn ergriffen, band er mit einem Strick ihn fest und züchtigt' ihn mit Schlägen. Zugleich riss er vom Körper ihm das Fell, entblößte ihn und schalt das unglücksvolle Tier mit diesen Worten:
»Vielleicht magst andre du, die dich nicht kennen, täuschen; für mich jedoch bleibst du der Esel, der du immer warst!«

Fab.6
Der Frosch und der Fuchs
Babrios Fab. 120 Der Frosch als Arzt


Hoch oben bald im Strudel, bald auf tiefsten Grund, jedoch stets wühlend in dem Schlamm, bald unterwegs zu Hügeln und zu grünen Wiesen, sprach, blähend sich, der Frosch zum Trost dem Wildgetier, so klug, wie er sei, könnt er Krankheiten beheben
und längres Leben durch die Kunst verleihn.
Selbst hinterm Meisterarzt Päon, so prahlt' er, braucht' er nicht zurückzustehn,
mocht er den Göttern ständig auch Betreuer sein.
Der schlaue Fuchs jedoch belacht' der Tiere Einfalt und prangerte, was jener nichtig sagte, an. »Der«, sprach er, »soll für kranke Glieder Medizin besitzen, des fahles Antlitz ist gezeichnet von der Farb des Todes?«

Es mög von Dingen, die er nicht vermag,
leichtfertig keiner etwas auf sich nehmen.
Dies die Mahnung unsrer Fabel.

Fab.7
Der Hund
Babrios Fab.104 Der bissige Hund


Nicht ist es niedern Seelen angeboren, zu erkennen,
ob guten Lohn, ob Strafe sie verdienen.

Ein Hund, der weder durch Gebell erschreckte noch warnend seine Zähne fletschte,
vielmehr den Schwanz einzog aus Furcht, biss einst den eignen Herrn mit frechem Mut.
Damit geheuchelte Gesinnung nicht verborgen bliebe, befahl der Herr, dass er am bösen Rachen eine Schelle trage. Mit eigner Hand band an den Hals er ihm die laute Glocke, die, wenn sie leicht bewegt nur, Warnungszeichen geben sollte.
Der Hund, der glaubte, das geschähe ihm zum Lohne. verachtet' triumphierend der Genossen Schar. Da trat zu ihm, dem Stolzen, aus der Hunde Kreis ein Alter, der, wie folgt, das Wort ergriff:
»Du Narr, welch Wahnwitz hat dir die Vernunft geraubt, dass jene Gaben dir Belohnung scheinen? Denn nicht der Tugend Preis wird offenbar durch deine Schelle, als Zeugnis deiner Bosheit vielmehr trägst du sie.«

Fab.8
Das Kamel
Babrios Fab.161 Das Kamel vor Zeus


Dass sich der Weise mit dem Eigenen bescheidet
und Fremdes nicht begehrt, das lehret unsre Fabel,
auf dass Fortuna nicht erzürnt zurück sich wende
und nicht ihr Rad
zermalme, was es eben erst gegeben.
Das Glücksrad war ein Attribut der Fortuna.

Ein mächtig großes Tier stieg auf zum Himmel, so erzählt man, bestürmte den großen Jupiter mit seinen Bitten, zu hässlich sei es und für alle Gegenstand des Spotts;
Die Rinder zögen her in ihrer Hörner Schmuck, nur das Kamel sei allen Schutzes bar
und jedem Feinde hilflos preisgegeben. Der Gott zwar lächelt, aber das Erhoffte schlägt er ab und nimmt dazu noch weg die Last des großen Ohres: »Bescheidner sollst mit Recht du leben, dem sein Schicksal nicht genügt, und ewig, weil du neiderfüllt, dein Los beklagen!«

Fab.9
Die beiden Wanderer und der Bär
Äsop: Die Wanderer und der Bär


Mit Bergen und gewundnen Tälern unbekannt, zog seine Straße einst ein Mann mit dem Gefährten, gewiss, was Schlimmes bringe auch das Schicksal, dass mit vereinter Kraft sie ihm begegnen würden.

Wie sie den Marsch im wechselseitigen Gespräch fortsetzen, tritt unversehens mittendrein ein Bär auf ihren Weg. Der eine von den zweien nutzt seine Kraft, um leicht zu fliehn; im grünen Laub hängt er als zittrige Last.
Der andre auch hält inne, wirft zu Boden sich, sich leblos stellend, gänzlich auf die Erde hingestreckt. Nach Beute gierig, eilt heran der grimmige Bär, und mit erhobner Tatze dreht den Armen er herum. Fürwahr, von eisiger Furcht erstarren dem die Glieder;
des Lebens Wärme war ihm aus dem Leib gewichen! Der Bär, ob ihn gleich hungert, meinte wohl, es sei verwest der Mann, trollt sich und trabt zurück in seine Höhle.

Als nun die zwei, vom Schreck erholt, zu Worten fanden, da wandt sich, der zuerst entflohen, recht kühn an den Gefährten: »Sag Freund, was hat der Bär dir im Vorübergehn berichtet? Denn lang genug hat heimlich er mit dir gesprochen!«
»Er hat mir viel gesagt, vor allem aber dieses mir geboten, wie ich es halten soll,
wenn wieder ich in Not gerate.
>Mögest nie du wieder traun auf Freundestreue<, sagte er,
>dass eines wilden Tieres Raub nicht abermals du wirst!<«

Fab.10
Der kahle Ritter
Babrios Fab. 188 Der Kahlkopf

Ein Ritter, kahlen Kopfs, trug Haare, die dereinst ein andres Haupt gezieret; die pflegte er mit großer Sorgfalt. Zum Marsfeld
* kam geritten er in einer Rüstung voller Glanz
und zügelt' mit geschickter Hand sein Ross. Im bläst Boreas' kräftiges Wehen entgegen, und so erblickt das Volk – ihm zum Gespött – seine Blöße.
Denn da sie fort ist, die Perücke, leuchtet seine Glatze in einem andern Glanze, als die Haare sie gehabt. Doch jener, da so vielen Tausend zum Gelächter er geworden,
vermochte klug den Spott durch seinen Scharfsinn abzuschwächen: »Ist's den ein Wunder«, sprach er, »dass die falschen Haare flohn, nachdem die echten längst schon mich verlassen haben?«

Wenn jemand dich verlacht, so such ihm zu begegnen,
indem du mit Verstand die Wahrheit ihm entgegenbläst.
*Gelände in der Tiberschleife nordwestlich von Rom,
  das als Versammlungsplatz diente


Fab.11
Die beiden Töpfe
Babrios Fab.193 Der Irdene und der eherne Topf


Zwei Töpfe riss der Fluss vom überschwemmten Ufer und trieb sie beide in das wilde Tosen. Der eine war aus Erz gegossen, der andere aus Lehm gebildet; so hatte unterschiedlich sie die Kunst wie die Natur geschaffen. Und da zerbrechlich dieser,
fest der andre, wirkte ungleich die Flut, und oftmals wechselte der Fluss die Bahn.
Auf dass der ehrne Topf den andern nicht beschädige und zerbreche, schwor er,
mit ihm den gleichen Weg zu ziehn.
Doch dieser war in Sorge, dass der Stärkere dem Schwächern schaden könnte,
und wusste, dass es für den Kleinen mit dem Größeren keine Treue geben könnte.
»Sosehr du auch mit Worten mich beruhigst«, sprach er, »so wird trotzdem die Furcht nicht aus dem Herzen weichen. Denn wirft die Woge mich auf dich, wirft dich auf mich sie, stets wird allein ich beiden Übeln ausgeliefert sein.«

Der Schwächere sei auf der Hut, sich mit dem Starken zu verbinden;
denn bessre Freundschaft bietet ihm, der mit ihm gleich.
Dem Schwachen nämlich treu zu sein, das ist dem Mächtigen unmöglich.

Fab.12
Der Bauer und der Schatz

Ein Bauer, der, das Pflugschar eingedrückt, das Land durchfurcht, erblickte in der aufgewühlten Erde einen Schatz. Alsbald lässt er den Pflug zurück, der ihm nicht mehr geziemt, und führt die Rinder bessern Triften zu.
Aufs neue stets errichtet dankbar er Altäre für die Tellus, weil sie aus eignem Antrieb ihm den Schatz, dem Finder, gab. Da mahnt Fortuna ihn, der sich des neuen Glückes freut, dass er für sie, die es verdient', Weihrauch zu spenden unterließ:
»Nicht meinen Tempeln weihst du den Besitz, den du gefunden, doch andre Götter, wünscht du, sollen davon Nutzen haben. Wenn aber das gestohlne Geld dir Unheil bringen sollte, wirst du an mich zuerst mit deiner Not dich weinend wenden.«

Mit Lachen nicht, mit Tränen in den Augen musst du mich
betrachten, deine Wünsche sollen immer unbefangen sein.
Denn schwer versündigt sich, wer von dem einen ein Talent
* annahm
und einem andern zuschreibt, was von jenem er empfing.
*Das Talent (griech. talanton für Waage, Gewicht) war ursprünglich eine babylonische Maßeinheit des Gewichts. Es entspricht der Wassermasse des Volumens einer Standard-Amphore, d. h. also eines Kubikfußes. Je nach der Länge des jeweils gültigen Fußes entsprach ein Talent also ungefähr
27 Kilogramm.


Fab.13
Der Stier und der Bock
Babrios Fab.91 Der Stier und der Ziegenbock

Als einst der Stier vor dem gewaltigen Löwen floh und sich nach sichrer Unterkunft auf abgelegnen Wegen umsah, da fand er eine Höhle, die der Bock bewohnte, derselbe, welcher die cinyph'sche
* Herde anzuführen pflegt.
Doch als er eintrat, senkt' der Bock die Stirn und richtete sich wütend gegen ihn mit bösem Blick. Dem Abgewiesenen verbot die Furcht zu streiten, er trollte sich betrübt und rief vom fernen Pfade nur zurück:
»Nicht dich fürcht ich, du Stinkbock mit dem Zottelhaar, nur jenen, der mir überlegen und mich jetzt verfolgt, gibt der mich frei, so wirst du Dummkopf bald erfahren,
wie groß der Unterschied von starkem Stier und stinkigem Bock.«
*Die Gegend um den Fluss Cinyps im nördlichen Afrika war durch ihre schönhaarigen Ziegen berühmt.

Fab.14
Die Äffin
Babrios Fab.56: Das schönste Kind

Wer ihm den schönsten Nachwuchs hätt zu präsentieren, erforscht' einst Jupiter im weiten Erdenkreis. Wetteifernd zogen hin zum König alle wilden Tiere, zusammen mit dem Menschen kam das Hausgetier. Nicht fehlten bei dem Wettbewerb die Fische, welche Schuppen tragen, auch nicht der Vögel Schar in reiner Luft. Die Mütter trugen ängstlich ihre lieben Kleinen, um sie dem Spruch des höchsten Gottes zu stellen.
Als nun die Äffin brachte an ihr hässlich Kind, da konnt selbst Jupiter das Lachen nicht verhalten. Doch nicht ertrug die Mutter ihres Kinds Beschimpfung, selbst hässlich, hub sie laut zu kreischen an: »Wer siegen wird, das weiß nur Jupiter. Doch gilt für dieses Kind mein Urteil mehr als alle andern.«

Drum halte dich zurück, in einem Punkt die Deinen lobzupreisen,
der nicht von andrer Seit schon früher Lob erfuhr!
So ist's: Was sich der Mensch höchstselbst geschaffen,
mag's auch gering nur sein, er selber billigt es doch.

Fab.15
Der Kranich und der Pfau
Babrios Fab.65: Der Kranich und der Pfau


Der Pfau; der Juno Vogel, so erzählt die Sage, hatte einst den Kranich, der aus Thrakien stammt, als ständigen Gast. Da gab es zwischen beiden Streit der Körperformen wegen, und aus geringem Anlass wuchsen böse Worte.
Ja er, der Pfau erglänze in der Farben Pracht, indes das Grau des Kranichs Leib entstelle. Zugleich schlug mit dem Schweif der Pfau sein Rad und schickt' der Regenbogenfarben Glanz gen Himmel.
Mit solcher Federnpracht vermocht der Kranich nicht zu eifern, jedoch mit bittern Worten, heißt es, ließ er sich vernehmen: »Du magst, soviel du willst, der Federn Ordnung wechseln, stets trägst du deine Zier hier an die Erde festgebannt.
Doch ich im armen Federkleid erheb mich hoch zum Himmel, ich streb zur Sternenwelt, ich strebe zu den Göttern hoch empor.«

Wenn du in Tugend strahlst, verachte nie den Nächsten!
In andrem Glanz vielleicht erstrahlt auch dieser.

Fab.16
Die Eiche und das Schilfrohr
Babrios Fab.36: Die Eiche und das Schilfrohr

Die Eiche stürzte einst entwurzelt von der Höh des Bergs herab, gebrochen von des Südwinds wirbeligem Rasen. Der Fluss ergriff sie unten mit dem Brausen seiner Wogen,
in seiner Strömung riss er sie mit fort. Da ward sie an die Ufer hart gestoßen, bald hierhin und bald dahin, bis im zerbrechlichen Geschilf festhing die große Last.
Dass auf so schwankem Grund das Schilfrohr stand, sich leicht nur mit dem Rasen verbindend, wunderte die Eiche. Trotz ihres kräft'gen Stammes habe sie sich doch nicht halten können, indes des Rohres dünner Schaft dem Dräuen widerstehe.
Antwortend drauf, belehrte sie mit leisem Säuseln da das Schilfrohr, dass grade seine Schwäche Sicherheit ihm biete. »Indem der Winde Toben und die wilden Wogen du verachtest, fällst nieder du, gestürzt durch eigne Kraft. Dagegen halte ich den Südwind, wenn er sich erhebt, nur mählich und gebe schon beim ersten leisen Wehen nach. Der Sturm, im jähen Tosen bricht er deinen Widerstand entzwei, doch macht mein schwankend Spiel den Hauch zunichte.«

Es mahnt uns dies Gedicht: Vergeblich ist's,
dem Mächt'gen Widerstand zu leisten,
jedoch Beharrlichkeit lässt furchtbares Drohen überwinden.

Fab.17
Der Jäger und der Tiger
Babrios 1 Der Jäger und der Löwe

Ein Jäger, der mit scharfem Schuss verwunden konnte, erschreckte rings das flinke Wild auf seiner Bahn. Da bot den Ängstlichen der kühne Tiger seine Hilfe und forderte den Jäger auf, von der Bedrohung abzusehen. Doch jener mit geübtem Arme schleuderte sein Geschoss: »Der Bote hier wird dir berichten, wer ich bin!« Da schlägt auch schon das Eisen seine Wunden, die schnellen Füße sind durchbohrt vom blutigen Geschoss.
Als der Getroffne sich bemüht, das Eisen sanft herauszuziehen, hält in der Fuchs vorsichtig lang zurück: wer das denn sei, der solche Wunden schlage, und wo sein wirksames Geschoss er denn verborgen halte. Mit schon gebrochner Stimme murmelte der Tiger - denn Zorn und Schmerz behinderten sein Reden: - »Bedeutungslos erschien mir die Gestalt, die da einherschritt; ach, könnt ich schauen sie ein zweites Mal!
Doch Blut und Waffen, die mit starkem Arm auf mich gerichtet, die zeigen mir den Menschen an.«

Fab.18
Die vier Stiere und der Löwe
Babrios Fab.44 Der Löwe und die drei Stiere


Vier kräftige Stiere, sagt man, schlossen für die Wiesen einst ein Freundschaftsbündnis solcher Art, dass sie nie, auf die Weide ziehend, Furcht zersprengte und bei der Rückkehr Freundschaft sie umschlang. Nachdem sie unter sich der Hörner Stoß gemessen, erfasste selbst den Leu, den Herrn der Wälder, Angst; die hindert ihn, den Raub zu wagen, der ihn lockte, und schreckt ihn, die verschwornen Stiere anzugehen.
Denn wenn er kühn auch war und ungebärdig in der Leidenschaft, so fühlte er allein so viel vereinter Kraft sich nicht gewachsen. Drum streut er Worte der Verleumdung aus,
geleitet von dem Wunsch, den Bund zu sprengen, und als mit seinen bösen Reden Spaltung ihm gelungen, drang mordend in die arme Schar er ein.
Da seufzte klagend einer von den Stieren: »Wer ruhig sich sein Leben will bewahren, der kann aus unserm Tode lernen. Nie mögen falschen Worten leihen er sein Ohr noch jemals alte Treue brechen!«

Fab.19
Die Tanne und der Dornstrauch
Babrios Fab.64 Die Fichte und der Dornstrauch


Den Dornbusch, weil er hässlich, lachte aus die schöne Tanne, als heftig beide um Gestalt und Wuchs sie stritten. »Unwürdig ist«, so meinte sie, »ein jeder Wettkampf,
in dem sich Würde und Leistung nicht vereinen. Bei mir zum Beispiel hebt der Körper sich hinauf bis zu den Wolken und trägt des Scheitels Haar bis zu den Sternen hin.
Und wenn im breiten Schiff man hoch mich richtet, dann bringt der Wind die Segel, die an mich gehängt, zum Schwellen. Dich aber macht Gestrüpp ganz hässlich an Gestalt,
und jeder geht verachtungsvoll an dir vorbei.«
Doch der erwiderte: »Jetzt sprichst du froh vom Guten nur allein, doch wenn die drohende Axt dir an die schönen Glieder geht, dann möchtest du schon meine Dornen haben!«

Es freu sich keiner körperlicher Schönheit über alle Maßen,
damit, verachtungswert geworden, später er sein Schicksal nicht beklage.

Fab.20
Der Fischer und der Fisch

Ein Fischer, der zum Fang die Angel auszuwerfen pflegte, zog eines kleinen Fisches geringe Last am Haken hoch. Doch als den Fang nach oben er befördert und aus dem gierigen Maul den Köder er entnommen, da sprach das Fischlein tränenvollen Auges: »Ich bitt dich, schone mich; denn was wohl könntest du an mir gewinnen?
Soeben hat die Mutter in der Felsenhöhle mich zur Welt gebracht und ließ mich spielen in den eigenen Gewässern. Droh nicht! Lass zart mich, wie ich bin, für deinen Tisch noch warten! Der gleiche Strand hier wird mich wiederbringen. Dann will ich, auf des weiten Meeres Blau gesättigt, gemästet gern zu deiner Rute kommen.«
Doch jener hielt's für falsch, was er gefangen, freizugeben, beklagt' den argen Wechsel des Geschicks. »Denn schlimm ist's«, sprach er, »Beute, die vorhanden, loszulassen,
und dümmer noch, Versprechungen zu folgen.«

Fab.21
Die Vöglein und seine Jungen
Babrios Fab 88 Die Haubenlerche während der Ernte

Ein Vöglein hatte seine Jungen anvertraut der Erde, wo neben grünem Rasen wogend stand die goldengelbe Saat. Das Korn vom Halm zu ernten war des Bauern Wunsch,
und flehend bat er um der Nachbarn Hilfe. Doch war noch arglos nicht das Wort verklungen, als schon Nest zu fliehn die Vogelschar begann. Die Mutter, die zurückkehrt, hält sie fest und spricht erfahren: »Noch drohet nicht von außen uns Gefahr!« Zur Arbeit teilt der Bauer seine Freunde ein, die Vogelmutter bleibt aufs neu in Sicherheit. Sobald sie aber sah, dass selbst der Herr zur Sichel griff und Hand anlegte bei der Ernte, rief sie aus: »Ihr Armen, jetzt hinweg aus euch vertrauten Gefilden,
wenn die eigne Kraft die Hoffnung jener setzt!«

Fab.22
Der Habgierige und der Neidische


Um recht der Menschen schwankend Herz zu prüfen, sandt aus der Himmelsburg Gott Jupiter den Phoebus auf die Erde. Es wandten hier gerade zwei sich ganz verschieden an die Götter; den einen füllte Habsucht aus, den anderen beherrschte Neid.
Titan begab zu ihnen sich, um beide auszuforschen, und als man bittend zu ihm kam, erwidert' er: »Bereit zum Geben sind die Götter; und was der eine sich erhofft,
das wird der andere gleich doppelt haben.«

Doch wer die starke Gier in sich nicht stillen konnte, den stürzen neue Bitten bald in neue Leiden, weil er darauf vertraut, durch fremde Wünsche zu wachsen und den doppelten Gewinn alleine zu erhalten.
Denn als der andre sah, wie jener seinen Lohn bekam, da flehte er, den eignen Körper zum Opfer bringend, dass er sein Leben fristen wolle, geblendet auf dem einen Auge,
wenn – in Verdoppelung – der andere sie beide nicht behielte.
Apollo jetzt belächelte das Menschenschicksal, und über jenes Übel des Neids erstattet er Bericht.

Wer sich erfreut am Übel, welches andre trifft, der rufet,
ohne es zu wollen, sein eignes Unglück sich herbei.

Fab.23
Der Verkäufer und der Käufer
Babrios Fab.30 Hermes und sein Marmordenkmal

Ein Steinmetz, welcher einen prächtigen Bacchus aus Marmor hat geschaffen, bot zum Kauf gegen Geld den Gott. Ein Nobler war zum Kauf bereit, weil er die Statue fürs eigne Grabmal zu erwerben wünschte; ein andrer wollte sie zum heiligen Tempel bringen,
darbieten sie, um ein Gelöbnis einzulösen.
»Für meine Ware«, sprach er, »hab ich nun ein doppelt Omen, sofern die Hoffnung auf Gewinn in zweifacher Richtung geht, ob Toten lieber oder Göttern ich sie geben soll,
als Zierde für ein Grabmal oder für die Himmlischen. Bei dir liegt die Verehrung für den großen Gott, zugleich auch hast du mein Begräbnis in der Hand.«

Auf jene, denen Macht gegeben, passt die Fabel,
ob sie zum Nutzen sie, ob sie zum Schaden sie gebrauchen wollen.

Fab.24
Der Wanderer und der Löwe
Babrios Fab.194 Löwe und Mensch im Streit

Es führten einen langen, heft'gen Streit vorzeiten ein Wandrer und der edle Leu.
Und als sie schließlich dem Gezänk ein Ende setzen wollten, sahn sie durch Zufall auf ein Denkmal, das sich da erhob. Des Künstlers Hand schuf einen Löwen, der, den Nacken beugend, sich niederlegte auf des Menschen Schoß.
Wie sich versteht, nahm da der Wandrer sich das Bild zum Zeugen, dass der Überlegene, seh man doch das Tier bezwungen. Indes, das Auge blinkend auf die vagen Zeichen richtend, fing jener an zu brüllen und sprach aus zornentbranntem Herzen: »Zum Lachen ist das Selbstvertrauen, das dich zu euerem Geschlecht erfasste, wenn du des Künstlers Hand zum Zeugen nimmst. Denn wenn sich unsere Begabung dahingehend erweiterte, dass auch der Leu mit kundiger Hand den Stein behaute, dann würdest du den Menschen schaun, von donnerndem Gebrüll bezwungen,
besiegelt sein Geschick durch unsern grimmen Rachen.«

Fab.25
Der Knabe und der Dieb


Am äußern Brunnenrand saß weinend einst ein Knabe, und aus dem offnen Mund erscholl vergeblich sein Geschrei. Als ein durchtriebner Dieb den Weinenden bemerkte,
da fragt er ihn nach dem, was ihm den Schmerz bereite.
»Der Strick«, lügt jener, »ach, riss mir entzwei, ein Krug voll Goldes fiel mir in die Tiefe.« Da gab's kein Zögern. Gierig legt der Dieb die Kleider ab, und nackend steigt hinab er in den Brunnen.
Alsbald der Kleine legt den, ach! so großen Mantel um die Schultern, verschwindet im Gestrüpp und ward nicht mehr gesehn.
Der Dieb, getäuscht in seiner Hoffnung, nach bestandener Gefahr, verloren das Gewand, setzt traurig nieder sich, und der Verschlagne, heißt es, brach in Klagen aus
und wandte sich mit Seufzen an die Götter:
»Dumm, wenn ich hoff, dass je ich den verlornen Mantel wiedersehe, der ich geglaubt, dass in der Flut da schwimmt ein Topf!«

Es richte niemand sein Begehr nach fremdem Gute, dass er nicht verliere,
was er hat, wenn er nach Weitrem strebt!

Fab.26
Der Löwe und die Ziege
Babrios Fab.199 Der Wolf und die Ziege


Auf steilem Felsen weidend hatt der Leu die Ziege ausgemacht, als seinen Weg er nahm, und schon packt ihn der Hunger. Er ruft sie an: »He du, die schwindeligen Hänge da verlass und such nicht deine Nahrung auf den rauen Höhn! Komm lieber zu des Klees rötlichen Blüten auf den duftigen Wiesen, den grünen Weiden, zu dem Thymian mit seinem Wohlgeruch!« Doch jene seufzte bloß: »Hör auf, mich schmeichelnd zu betören
mit wohlgefälligen Listen, mich, die ich so sorglos bin! An wahre, größere Gefahr magst du mich mahnen, sie beseitigen; trotzdem vermag ich Glauben nicht dem Wort zu schenken. Viel Wahrheit liegt gewiss in deiner richtigen Rede; doch weckt Verdacht, wer Rat gibt, weil er ungebändigt.«

Glaube vorschnell nicht den schönen Worten eines Schmeichlers!
Doch warnen Treue dich, dann achte ihres Rufes!

Fab.27
Die Krähe und das Gefäß
Babrios Fab.200 Die durstige Krähe


Die Krähe erblickte dürstend ein gewaltiges Gefäß, das auf dem Grund nur noch ein wenig Wasser barg. Lange war sie darum bemüht, umstoßend das Gefäß zu leeren, dass sie ihren allzu großen Durst sich stille. Nachdem mit Kraft ihr Ziel sie nicht erreichte, griff zornig sie zu kluger, neuer List.
Indem sie nämlich kleine Steinchen in das Wasser warf, stieg dieses an und bot bequem und leicht Gelegenheit zum Trunk.

Dass Klugheit mehr vermag als Körperkräfte, lehrt die Fabel,
so wie der Vogel sie geübt und zum Erfolge kam.

Fab.28
Der Bauer und der Stier


Es sträubte sich ein Stier, dass man ihn band, und weigert' sich, den trotzigen Hals ins harte Joch zu beugen. Da schnitt der Bauer das Gehörn ihm mit gekrümmter Sichel ab
und glaubte, so das wilde Tier im Zaum zu haben. Mit Vorsicht führt' den Nacken er in den gewaltigen Pflugbaum - denn mit dem Horn und Füßen wütete das Tier, -
damit die lange Deichsel ihn vor Schlägen schütze und er gesichert bleibe vor dem Stoß der Hufe. Jedoch die Zügel für den wilden Nacken lehnte ab der Stier und stampfte mit den Füßen immerfort den Boden und wühlte ohne Unterlass im Sand und schleuderte ihn heftig nach rückwärts in das Angesicht des Herrn, der folgt.
Der reinigt sich die Haare, die vom Schmutz entstellt, und spricht in seines Herzens Innern überwunden: »Ohne Zweifel fehlte noch ein Beispiel eines bösen Wesens,
so wie es mit Bewusstsein schädlich werden kann.«

Fab.29
Der Wanderer und der Satyr
Babrios Fab.192 Der Satyr und der Mensch


Als sich mit dichtem Schnee der harte Winter angezeigt und grimme Kälte alle Fluren erfasste, da irrt' ein Wandrer durch die Nebelmassen; weil er den Weg verlor,
so hemmte er den Schritt.
Ein Satyr, Wächter eines Hains, erbarmte sich des Armen und nahm in seiner Höhle den Verlassnen freundlich auf. Kaum hat der Wälder Sohn den Menschen angesehn,
so fasst Bewunderung ihn und Staunen, was der alles kann. Denn um die Hände, die erstarrt, zum Leben wieder zu erwecken, hatt jener aus dem Munde warmen Hauch geblasen. Die Kälte war gewichen bald, und fröhlich fing er an, sich an des Wirtes Sorgsamkeit zu freuen. Denn weil das Leben auf dem Land der Satyr zeigen wollte,
so brachte er von all dem Guten, das die Wälder boten, und trug auch einen Mischkrug auf, mit heißem Wein gefüllt, auf dass der warme Trunk die kalten Glieder gut durchpulse. Doch weil der Wanderer den heißen Krug mit seinen Lippen nicht zu berühren wagte, blies er, ihn ein wenig abzukühlen.
Verwirrt durch dieses zweifache Wunder, ward erzürnt der Satyr, er trieb den Gast hinaus und hieß den Wald ihn zu verlassen. »Denn niemals«, sprach er, »wünsche ich, dass er in meine Höhle trete, der mit demselben Mund so ganz Verschiednes tut.«

Fab.30
Der Eber und der Bauer

Den Eber, der die Saat verwüstet und die reifen Felder ruiniert, den hat mit abgeschnittnem Ohr der Bauer laufen lassen, damit er, tragend eine Spur, sich an den Schmerz erinnre und fernerhin die zarte Saat verschone.
Als er aufs neue ward ertappt, wie er durchwühlt den Acker, verlor zur Strafe, dass er nachgab, er das zweite Ohr. Doch nicht genug: schon wieder wühlt er in den Saaten,
indes den Übeltäter doppelt Buße trifft. Gefangen und geschlachtet kommt er auf den reichen Tisch des Herrn, und für die einzeln Gänge macht der Landmann Leckerbissen.
Als aber nach dem Mahl der Herr des Ebers Herz verlangt, das niederträchtig, wie es hieß, der Koch gestohlen hatte, beschwichtigte der Landmann den nur gerechten Zorn,
behauptend, dass das dumme Schwein kein Herz besessen habe.
»Wie hätt es sonst, verrückt, zu seinem eignen Schaden wiederkehren und von demselben Feind so oft sich fangen lassen können?«

Aus der Erzählung mögen jene lernen, die öfter sich vermaßen
und niemals von den sündigen Taten lassen wollen.

Fab.31
Die Maus und der Ochse
Babrios Fab.112 Die Maus und der Stier


Die kleine Maus, erzählt man, wagt' es einst, den Riesenochsen, als unterwegs sie war, mit ihrem Zähnchen anzunagen; sobald mit ihrem scharfen Biss sie ihn verwundet,
zog in den sichern Unterschlupf sie sich zurück. Natürlich droht der Dickbenackte schnaubend, in seinem Zorn jedoch erkennt er nicht sein Ziel.
Die Maus dagegen setzt dem Wütenden mit Worten zu und spricht mit Witz die Drohung feindlich aus: »Zwar haben deine Eltern große Glieder dir gegeben,
jedoch gewährt das deiner Kraft noch nicht Erfolg.«

Fab.32
Der Mann und sein Wagen
Babrios Fab.20 Der Ochsenknecht und sein Wagen

Dem Bauern blieb im kotigen Pfuhl der Wagen stecken. Er ließ ihn stehn mitsamt den Ochsen, die ins Joch gespannt, verließ sich – nur vergeblich! – auf die Götter, die er treu verehrt, dass sie in seiner Lage ihm zu Hilfe kommen würden.
Doch aus dem höchsten Himmel sprach ihn an der Herr von Tiryns, an den er flehend sein Gebet gerichtet hatte: »Komm, mit der Peitsche treibe an die Stiere, die sich mühen, und mit den eignen Händen lerne in die Speichen greifen! Nur wenn du selber zupackst und, was über deine Kräfte gehet, wagst, hast du ein Recht, für dich die Götter zu gewinnen.
Denn wisse, dass bequemen Wünschen sich die Himmlischen nicht beugen!
Sofern du aber selber handelst, stehn sie gerne dir zur Seite.«

Fab.33
Die Gans und ihr Herr
Babrios Fab.123 Das Huhn mit den goldenen Eiern


Besaß da einer eine Gans, die hatte eine seltne Gabe, sie legte täglich ihm ein goldnes Ei ins Nest. Doch hatte der erhabne Vogel von Natur aus das Gesetz, dass nie zugleich er legte zwei der Eier in das Nest. Jedoch der Herr, der sich noch größeren Gewinn erhoffte, er wollte in seiner Gier die läst'gen Pausen nicht mehr dulden, ja meinte gar, der Tod des Vogels könnt von Nutzen sein, dessen beständiger Fleiß ihm solchen Reichtum gab.
Nachdem er nun den tödlich spitzen Stahl gestoßen in die Eingeweide und er im Inneren der Gans von den gewohnten Gaben nichts gefunden, da fing er laut zu jammern an, ein Opfer seiner eignen Habsucht; denn Strafe, seiner würdig, hatte er empfangen.

Wer von den Göttern solcherart zu einer Zeit gleich alles fordert,
dem nehmen sie zu Recht, was vorher täglich sie gespendet.

Fab.34
Die Ameise und die Grille
Babrios Fab.140 Die Ameise und die Grille


Wer träge lässt vorüberziehn die Jugendzeit
und nicht mit Vorbedacht fürs spätre Leben sorgt,
wird, wenn die Jahre ihn bedrängen und die Last des Alters,
vergebens Fremder Hilfe erbitten.

In Sonnenglut verrichtete die Ameise Arbeit und füllte für den Winter ihre kleinen Kammern. Jedoch als Reif mit Glanz die Fluren überzog und unter strengem Frost die Saat verborgen lag, da ruhte sie sich aus – ihr kleiner Körper war den Stürmen nicht gewachsen - und hütete in ihrem Heim das säftereiche Korn.
Da bat die Grille flehentlich um Nahrung, die vordem durch elegisch Lied die Luft erfüllt.
Als damals auf der Tenne man die reiche Ernte drosch, da habe sie mit ihrem Sang den sommerlichen Tag verbracht. Drauf, lächelnd, sprach die Kleine zu der Grille
(denn beiden war's vergönnt, noch fortzuleben): »Ich habe mir mit großer Mühe meine Existenz errungen, und mitten jetzt im Winter hab ich lange Muße. Doch dir bleibt nun zuletzt Gelegenheit zum Tanzen, weil mit Gezirp zuvor dein Leben du vertrödelt!«

Fab.35
Der Affe und seine Jungen
Äsop: Die Kinder des Affen


Ein Affe, so erzählte man, der Zwillinge geworfen hatte, verteilt' mit Unterschied auf beide seine Zärtlichkeit. Den einen zog die Mutter auf mit großer Liebe, doch für den andern kannte sie nur Hass.
Wie einst nun grässliches Gelärm die Mutter schreckte, riss fort die Kleinen sie in sehr verschiedner Form: mit ihren Händen trägt sie das Geliebte an der Brust sogar,
doch das Verachtete hebt auf den Rücken sie nur hoch.
Als nun erlahmten ihre Füße und sie länger nicht sich halten konnte, entglitt ihr gegen ihren Willen auf der Flucht die Last. Jedoch das andre Junge fasst den borstigen Rücken mit den Armen und hält sich fest, es überlebt, ohne dass die Mutter es gedacht. Bald wird geherzt es und geküsst wie schon der Bruder, gerettet er als einziger Spross des alten Stamms.

Verachtung vielen frommt, und wenn sich umkehrt dann die Reihe,
erhöht die Hoffnung den Erniedrigten zum bessern Los.

Fab.36
Das Kalb und der OchseBabrios Fab.37 Der Jungstier und der Ochse
Ein schönes, muntres Kalb, des Nacken nie ein Joch gedrückt, sah einen Ochsen, der ohn Unterlass die Furche pflügte. »Schämst du dich nicht«, beginnt es da, »auf deinem alten Rücken das Joch zu tragen? Magst du nicht, vom Joch befreit, der Ruh genießen?
Mir steht es frei, zu tummeln mich im weiten Grase oder, wenn's mir gefällt, im Schatten eines Haines zu ergehen.« Jedoch den Ältern konnte diese Rede nicht erzürnen, er pflügt, wie er's gewohnt ist, müde seine Scholle, bis dass den Pflug er stehen lassen darf und auf dem Blumenbett die Glieder sanft ausstrecken kann.
Bald darauf erblickt er jenes Kalb bekränzt am heiligen Altare, bereit, zu sterben durch das scharfe Messer eines Opferpriesters. »Des Schicksals traurige Nachsicht gab dir diesen Tod«, so sprach er, »die unsres Joches Schwere dich nie fühlen lassen wollte.
Wahrhaftig, besser ist es, Mühen, sie seien noch so schwer, zu tragen als in der Jugend Glück, das rasch vergehet, zu genießen.«

So ist der Menschen Schicksal, dass die Glücklicheren rascher Tod ereilt,
indes ihr Alltag ewig quält die Armen.

Fab.37
Der Hund und der Löwe
Babrios Fab.100 Der Wolf und der Hund

Ein Hund, der wohlbeleibt, traf einst auf einen Löwen, der erschöpft, und redete nicht ohne Spott ihn an: »Du siehst wohl nicht, wie sich mein Bauch in doppelter Fülle dehnt
und wie die edle Brust vor Muskeln trotzt? Als Freund des Menschen werd ich nach der Muße an den Tisch geführt und nähre mich reichlich von der gleichen Speise.«
»Was aber«, fragt' der Löwe, »trägt dein fetter Hals für schlimmes Eisen?«
»Damit ich mich vom Haus, das zu bewachen, nicht entfernen kann. Doch du musst, bis zu Tode hungrig, weites Feld durchstreifen, bis endlich Beute dir im Wald begegnet.
Drum komm und füg in meine Kette deinen Nacken, solange so bequem dein Essen du verdienen kannst!«
Doch da brach jener aus in wilden Zorn und ließ in edeler Entrüstung so vernehmen sich: »Hinweg, und trage so, wie du's verdienst, den Hals in einer Schlinge und nimm die harten Fesseln als Entgelt für Stillung deines Hungers! Mir aber bleibt die Freiheit, ist bescheiden auch die Höhle, und wenn's mich hungert, streif ich durch die Felder, wie es mir beliebt. Du magst gedeckte Tische denen preisen, die ihre Gaumenlust der Freiheit ziehen vor!«

Fab.38
Der Flussfisch und der Seefisch

Des Flusses Strömung trieb den Flussfisch aus dem süßen Wasser, und unversehens stand der Meeresflut er gegenüber. Mit Hochmut blickt er dort die schuppigen Meeresfische an und brüstet sich, er übertreffe alle sie an Vornehmheit. Jedoch der Seefisch duldet nicht im eigenen Gebiet den Fremdling, sondern entgegnet ihm mit scharfen, bittren Worten: »Weg mit dem Lügenwerk erdichteter Behauptungen,
die leicht zu widerlegen sind, wovon du selber Zeuge wirst! Wer mehr an Wert besitzt, wird durch des Volkes Stimme sich erweisen, wenn bei dem gleichen Fang das feuchte Netz uns zieht heraus. Dann wird für teures Geld ein reicher Mann mich kaufen,
indes für einen Groschen kaum ein Armer dich erwirbt!«

Wer eben erst von fernher angekommen,
dem ziemt es nicht, sich über die Einheimischen zu setzen.

Fab.39
Der Krieger, der seine Waffen verbrannte

Ein Krieger, hatte einst gelobt, der müde war von vielen Schlachten, dass alle Waffen er den Feuer übergeben wolle, sei's, dass der Feind sie ihm, dem Sieger, sterbend übergebe, sei's, dass dem Feind er auf der Flucht sie abnahm.
Inzwischen war das Schicksal günstig seinem Schwur, und dessen eingedenk trug nun der Mann die Waffen Stück für Stück zum Scheiterhaufen. Jedoch ein Horn mit rauem Ton bestritt sein Schicksal; den Tod in reiner Flamme habe niemals es verdient.
»Niemals«, so sprach es, »haben die Geschosse dich getroffen, die durch mein Wirken abgeschossen wurden, wie du selbst gestehst. Ich habe die Verstreuten zu den Waffen nur gerufen durch diesen meinen Ton – ihr Sterne könnt's bezeugen!«
Doch jener warf es, mocht es sich auch sträuben, in die Flammen: »Jetzt muss dich größrer Schmerz und größre Pein erfassen; denn wenn du auch nicht schaden kannst und nicht zu schaden wagst, so ist es um so schlimmer, dass andere zu Schlimmen du verleitest.«

Fab.40
Der Panther und der Fuchs
Babrios Fab.180 Der Fuchs und der Panther

Geziert durch Sprenkeln und durch schönen Brustlatz, schritt einst der Panther durch die Flure mit seinesgleichen, und weil die Löwen er erblickte ohne Flecken auf den Rücken, so meinte er bei sich: »Welch ganz erbärmliches Geschlecht!« Als Wesen, deren Anblick hässlich, schalt er auch die andern Tiere, und nur er selber, meint' er,
sei der Schönheit Muster.
Und während sich der Panther seines Aussehens freut, stellt ihn der schlaue Fuchs und zeigt ihm seine Nichtigkeit. »Geh«, spricht er, »und vertrau nicht gar zu sehr der Jugend Schönheit; denn Schöneres vermag, so scheint mir, der Verstand!«

So lasst bewundern uns viel lieber die, die Geistesgaben zieren,
als jene, deren Glanz des Körpers Eigenschaften sind.

Fab.41
Der Regen und das Tongefäß


Vom Wind getrieben, aus der Wolke weggedrängt, ging eisig einst ein heftiger Regenguss hernieder. Als er das Land mit seinen Stürmen überflutet hatte, bespült' er auch ein Tongefäß, das draußen stand. (Denn den geschmeidigen Lehm lehrt erst die laue Luft, dass er hernach erführ, in Feuers Näh gebrannt zu werden.) Jetzt fragt der stürmische Wind nach des Gefäßes Namen. Seiner vergessend,  spricht's: »Amphora werde ich genannt, denn kundig lehrte mich die Hand an Kreise ziehender Scheibe die sanft zur Seite gehende Form.«
»In der Gestalt zu bleiben mag bis jetzt vergönnt dir sein; denn der dich unterwarf,
der Regen, wird im Wasser dich hinwegspülen.« Zugleich zerbrach der Regen, der zum Strom geworden, das Gefäß, besiegt ergab es sich den zarten Wassern, das Unglückselige, das mit großen Worten sich benannte, das wagte, mit dem köchertragenden Gewölk zu sprechen!

Dies Beispiel mag in Zukunft die vom Elend Heimgesuchten lehren,
dass sie, den Großen untertan, beklagen ihr Geschick.

Fab.42
Der Wolf und der Bock

Durch Zufall hatt den Wolf, weil überlegen er im Lauf, genarrt der Bock, als er die Flur durcheilte, welche an die Hütten grenzt. Von da aus nahm er seinen Weg gerade auf die Mauern zu und macht erst halt im Tempel bei der Schafe Schar. Der Räuber folgt ihm eifrig mitten in die Stadt und suchet voller List, sein Süppchen sich zu kochen.
»Bemerkst du nicht, wie in den Tempeln überall das Opfertier mit seinem Blute unter Stöhnen unerbittlich rot den Boden färbt? Wenn du dich nicht bemühst, ins sichre Feld zu kommen, dann fällst auch du, die Stirn umwunden mit der Binde!«
Darauf der Bock: »Mach darum, bitt ich dich, nur keine Sorgen dir und halt dein eitles Drohen bei mir zurück, du Böser! Denn besser ist's, das heilige Blut den Göttern zu vergießen als dem gefräßigen Wolf zur Sättigung zu dienen.«

Wenn also doppelt Unheil dir bevorsteht,
dann ist es besser, sich den rühmlicheren Tod zu wählen.

 
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